Kolumbus Tyrann? Kolumbus Sadist?
Kolumbus als Kreuzfahrer - de Bry um 1590 Grausame Behandlung der sogenannten Indios
Wegbreiter eines wissenschaftlichen Zeitalters? Kolumbus um 1590 noch unverklärt gesehen - mit Schwert, Gewehr und Kreuzfahne. Nach dem Motto der Kreuzfahrer Tod oder Taufe hat er auch gehandelt, wobei er das Taufen einfach wegließ. (De Bry, 1590)
Wer sich zur Wehr setzte oder zu wenig Gold ablieferte wurde grausam bestraft. Stich von de Bry zu einer Schrift von Las Casas
Peter Milger

Das große Staunen über Kolumbus

Was neu erscheint, wurde indessen nur unterschlagen

Lichtgestalt. Salvador de Madariagas VIDA DEL MUY MAGNIFICO SENOR DON CHRISTOBAL COLON, 1940, endet:

Die Lichtgestalt verschwand. Colón starb zum zweiten Mal. Doch er lebt für immer.

Absturz in die Finsternis?

Am 9. August 2006 meldete die Bildzeitung:

Kolumbus war ein übler Sadist (Titel). Im spanischen Archiv von Simancas fand die Historikerin Isabel Aguirre ein schauriges Dokument ... Die Aussagen von 22 Zeugen belegen: Jeder Eingeborene musste Gold abliefern. Wer es nicht herbei schaffte, dem wurden die Hände abgehackt ... Kolumbus handelte mit Sklaven, die ihm umgerechnet bis zu 8000 Euro pro "Stück" brachten. Seinem Bruder Bartolomé befahl er, eine Frau nackt auf einen Esel zu schnallen und durch die Straßen zu treiben. Wer protestierte, wurde kurzerhand erstochen, auch Kinder und Greise. Schwangere wurden vergewaltigt ...

Die Zeugenaussagen stehen im Buch "La caída de Cristóbal Colón" (Der Sturz des Kolumbus, 20 Euro). In Madrid ein Bestseller - die Spanier sind erschüttert. Nun wussten Millionen von Bild-Lesern Bescheid, der Rest der Nation aber nicht. Und dass, obwohl der Bild-Bericht über die Enthüllung zwar grob gestrickt ist, aber im Großen und Ganzen zutrifft. Am 6. Dezember werden auch die gehobenen Schichten informiert. Die FAZ titelt: Grausamkeit, Geldgier und Verlogenheit des Eroberers. Der Autor (Roberto Zapperi) hebt einen Vorwurf hervor:

Das Verhör brachte Vorgänge von unerhörter Schwere ans Licht. Der gravierendste und von allen Geistlichen einstimmig gegen Kolumbus erhobene Vorwurf lautete, er habe systematisch die Taufe der Eingeborenen durch die Missionare verhindert ...

Das Erstaunen ist erstaunlich, da Berichte über das extrem rücksichtslose Vorgehen der Lichtgestalt schon ab 1516 gedruckt wurden. Und sie stammen nicht von Betroffenen, wie die jetzt enthüllten.

Einseitige Auswahl der Zeugen

Die dem Dokument zu Grunde liegende Anhörung wurde von Francisco de Bobadilla veranlasst. Die spanische Krone beauftragte ihn im Jahr 1500, gegen die Fraktionskämpfe in der Kolonie vorzugehen. Kolumbus und sein Bruder Bartolomé hatten die Kontrolle über den größten Teil der Insel Española verloren. Auch in der Hauptstadt Santo Domingo herrschten die Feinde von Kolumbus, als Bobadilla dort eintraf. Und eben dort rekrutierte er die Zeugen, noch bevor die beiden Brüder festnehmen konnte. Laut Prozessordnung durften auch die Angeklagten Zeugen benennen, aber Bobadilla ließ sie in Ketten legen, ohne eine zweite Anhörung anzuberaumen. Die einseitige Auswahl der Zeugen legt eine vorsichtigen Bewertung der Aussagen nahe. Es gibt unbedenklichere, die dem Publikum allerdings bisher nur unzureichendend zur Kenntnis gebracht wurden. Das Abendland hängt an seinen Galionsfiguren.

Unterschlagene Selbstbezeugungen

In seinem Bericht an die Krone über die erste Expedition bekennt sich Kolumbus offen zur Kreuzzugs-Parole Tod oder Taufe. LIBRO, 11. November 1992:

Erlauchte Fürsten ... ich hoffe auf unseren Herrn, dass Ihre Hoheiten sich dazu entschließen werden, mit viel Eifer so große Völker der Kirche zurück zu geben und sie zu bekehren ...

Soweit zitieren einige Biografen, etwa Salvador de Madariaga. Den Rest des Satzes lassen alle weg, offenbar weil er ziemlich gnadenlos klingt: ...

so wie sie die vernichtet haben (an destruido), die nicht bekennen wollten den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.

Die Versklavung beginnt - pro Kopf gezählt

Kolumbus, LIBRO, 12. November:

Gestern kam längsseits des Schiffes ein Einbaum mit sechs Jünglingen, und fünf kamen an Bord. Ich befahl sie festzuhalten & nehme sie mit. Danach schickte ich nach einem Haus ... und sie brachten sieben Köpfe (cabeças) Frauen zwischen klein & groß und drei Knaben.

Was heißt cabeça? VOCABULARIO, 1495: Cabeça de cualquier cosa. caput.itis - zum Zählen von Sachen, Kopf. Die meisten Biografen übergehen die Eintragung und die Übersetzer lassen mehrheitlich das böse Wort einfach weg. So zum Beispiel: BORDBUCH, Insel Taschenbuch Nr. 476:

Sie kehrten in der Gesellschaft von sieben teils jungen, teils älteren Knaben zurück.

Klingt jetzt richtig lieb. Fernando Colón, nach dem Bericht über die Niederwerfung des Aufstands:

Gott wollte die Indios bestrafen und suchte sie mit einem solchen Mangel an Nahrung und einer solchen Vielfalt von Plagen heim, dass er ihre Anzahl um zwei Drittel reduzierte.

Erste Meldung über eine Vergewaltigung

Zweite Überfahrt. Michele de Cuneo, Brief an einen Freund in Genua:

Wir nahmen auch zwölf sehr schöne und sehr fette Weiber gefangen, sie waren etwa 15 bis 16 Jahre alt, gleichzeitig auch zwei Knaben ... Wir sandten sie nach Spanien als Muster.

Kolumbus schenkt Cuneo eine Gefangene. Cuneo:

Ich wollte mein Verlangen ausführen, aber sie wollte nicht, sondern bearbeitete mich mit ihren Fingernägeln, so dass ich mir wünschte, gar nicht erst angefangen zu haben ... Ich nahm ein Seil und schlug sie gründlich, worauf sie unerhörte Schreie ausstieß, so dass Du deinen Ohren nicht getraut hättest. Wir einigten uns dann in einer Weise, kann ich dir sagen, dass es schien, als sei sie in einer Hurenschule aufgezogen worden.

Sklavenjagd

Brief von
Dr. Diego Alvarez Chanca an den Stadtrat von Sevilla. Er beobachtet eine Jagdszene.

Einige Einheimische fliehen in ihrem Einbaum: Als die Caribes sahen, dass sie nicht entkommen konnten, legten sie mit viel Mut ihre Bogen an, Männer wie Frauen. Ich sage, mit viel Mut, weil sie nicht mehr waren als vier Männer und zwei Frauen und unsre mehr als 25 ... Als sie schwammen, waren sie immer noch schwer zu fangen, denn sie schossen immer noch so viel sie konnten. Und so kam es, dass sie einen nur bekamen, als sie ihn tödlich verwundet hatten.

Michele de Cuneo, leicht abweichend:

Wir ließen ihn für tot im Meer, aber er begann sogleich zu schwimmen. Deshalb fingen wir ihn mit einem Haken und zogen ihn an Bord des Schiffes, wo wir ihm den Kopf abschnitten. Die anderen Camballi schickten wir mit den erwähnten Sklaven nach Spanien.

Sklaven en gros - der erste Transport

Kolumbus schlägt in seinen Briefen immer wieder vor, die indios sollten bekehrt werden, behauptet aber nicht, er selbst sei in dieser Hinsicht tätig geworden. Das Motiv liegt auf der Hand. Nach der vorherrschenden Rechtsauffassung konnten nur sogenannte Heiden wie Sachen behandelt werden, Getaufte hingegen nicht mehr. Kolumbus setzt von Anfang an auf die Maximierung der Erträge aus der Kolonie. Michele de Cuneo nach der Gründung der ersten Siedlung:

Da die Karavellen nach Spanien zurückkehren sollten, wurden in der Siedlung 1.600 Indios zusammengebracht. Die Besten, 550 Seelen, wurden auf die Karavellen gebracht. Aus den übrigen durfte sich jeder seine Leute nach Belieben aussuchen ... In den spanischen Gewässern starben von den besagten Indios 200 und die Leichen warfen wir ins Meer.

Ausbeutung der Arbeitskraft

Kolumbus betrachtete alle
Bewohner Haitis als Sklaven und behandelte sie entsprechend. Die Belege dafür stammen nicht von Außenstehenden und aus erster Hand. Fernando Colón benutzte für sein Buch über seinen Vater (HISTORIE) dessen Aufzeichnungen:

Wo sich Gold befand ... musste jede Person ab 14 Jahre ein großes Glöckchen mit Goldpulver abliefern, alle anderen 25 Pfund Baumwolle. Wer seinen Tribut zahlte, erhielt eine Münze, die er am Hals tragen musste. Jeder Indio, der ohne Münze angetroffen wurde, wurde bestraft.

Verteilungskämpfe

Im Prinzip sollte alles Gold abgeliefert werden. So jedenfalls Michele de Cuneo:

Es wurde außerdem ein heimlicher Handel betrieben ... Einer verriet den anderen, so dass schließlich alle entdeckt wurden. Wer schuldig befunden wurde, bekam schwere Strafen, einigen wurden die Ohren abgeschnitten, anderen die Nasen, ein jämmerlicher Anblick.

Die genausten Berichte über die Vorgänge in der Kolonie stammen von Pietro Martire, einem Gelehrten am spanischen Hof. Martire war nach eigener Auskunft mit Kolumbus befreundet und konnte die Berichte einsehen, die Kolumbus und andere für die Krone verfasst haben. Seine Schrift DE ORBE NOVO DECADAS wurde ab 1516 in Spanien gedruckt. Die lobrednerischen Biografen machen von dieser Quelle keinen Gebrauch. Kolumbus ließ sich laut Martire über seine Feinde so aus:

Gemeine Verbrecher, Kuppler, Diebe, Frauenschänder, Räuber.

Martire zitiert dann, was die Gegenseite über die Kolumbus-Brüder in Umlauf brachte:

Ungerechte und ehrlose Verwalter, Feinde der Spanier, Verschwender, Männer, denen es gefällt, aus geringem Anlass Menschen zu foltern, zu erdrosseln und zu enthaupten und auf jede mögliche Weise zu vernichten, ehrgeizige, hochfahrende, neidische und unerträgliche Diktatoren.

Schwere Vorwürfe, den nun enthüllten sehr ähnlich. Aber Martire hat sie vergeblich mitgeteilt, wie das jetzt geäußerte Erstaunen zeigt.

Das große Sterben beginnt

Pietro Martire:

Die Schiffsleute ... nahmen sich jede Freiheit und verübten jede mögliche Gewalttat. Vor den Augen der Eltern, Brüder und Männer raubten und schändeten sie die Frauen, gingen auf Diebstahl aus und versetzten die Einwohner in größte Unruhe ... Traurig fragten sie sich, ob die Christen jemals von der Insel weggehen würden.

Martire meldet eine Hungersnot mit 50.000 Opfern und den Versuch der Tainos, ihrer Entwürdigung zu entgehen:

Die Menschen hatten kaum noch Kraft, ihren Lebensunterhalt in den Waldgebieten zu suchen ... Manche sind so verzweifelt, dass sie freiwillig aus dem Leben gehen. Andere zeugen keine Kinder mehr. Man sagt auch, manche nähmen Mittel, um die Frucht des Leibes abzutreiben, weil sie wissen, dass sie nur Sklaven der Christen werden ... Die Zahl der unglücklichen Einwohner Hispaniolas ist stark zurückgegangen. Viele berichten, es waren einst eine Million und zweihunderttausend. Ich schrecke zurück, den heutigen Stand anzugeben.

Als die Bewohner Haitis beginnen, sich zur Wehr zu setzen, schlägt Kolumbus mit aller Härte zurück.
Fernando Colón beschreibt den Einsatz von Feuerwaffen und Hunden und fährt fort:

Die feigen Indios flohen, eifrig verfolgt von den Unseren, die mit Gottes Hilfe den Sieg errangen. Sie töteten viele Indios und nahmen andere gefangen, welche sie ebenfalls töteten.

Fray Bartolomé de Las Casas hatte Zugang zum Archiv der Kolumbus-Familie, deren Partei er ohne Vorbehalte ergriff, als die Krone die Verdienste von Kolumbus posthum in Frage stellte. Dessen Vorgehen in der Kolonie billigt er aber nicht. Er notiert in seiner HISTORIA:

Der Admiral begab sich in große Teile der ganzen Insel und führte einen grausamen Krieg gegen alle Könige und Dörfer, die ihm nicht gehorchten, neun oder zehn Mal.

Fernando Colón, nach dem Bericht über die Niederwerfung des Aufstands:

Gott wollte die Indios bestrafen und suchte sie mit einem solchen Mangel an Nahrung und einer solchen Vielfalt von Plagen heim, dass er ihre Anzahl um zwei Drittel reduzierte.

Die Entdeckung der Menschenrechte


War Kolumbus ein Sadist? Das ließe sich allenfalls aus den Vorwürfen seiner Gegner ableiten. Alle anderen Quellen sprechen dafür, dass Gewalt für ihn nur Mittel zum Zweck war. Die Augenzeugen melden keine Skrupel, er selbst hat keine geäußert. Kolumbus war in keiner Hinsicht ein Neuerer. So wie er unbeirrt an den Dogmen der damaligen Kosmografen festhielt, so setzte er auch gegenüber den Bewohnern der Karibik ohne Bedenken die Richtlinien der römischen Kirche um. Zwecks Rechtfertigung des Sklavenfangs entlang der Küste Afrikas hatte Papst Eugen IV. per Dekret alle barbarischen Rassen den Muslimen gleichgestellt, zu Feinden Gottes erklärt und damit alle Rechte abgesprochen. Einige Geistliche haben trotzdem schon früh die Praktiken der Kolonisatoren kritisiert, nach einiger Zeit auch Las Casas. Er vertrat die Auffassung, auch ungetauft käme den Indios ein Menschenrecht (derecho humano) zu. Wie zitiert, vertritt Fernando Colón die Auffassung, die Indios seien für ihre Rebellion bestraft worden. Las Casas las das und hielt ihm in seiner HISTORIA entgegen, man könne es ja wohl nicht Rebellion nennen, wenn sich Kastilien gegen einen Angriff der Franzosen wehre. Und fährt fort:

Hernando Colón ... ignorando muy profundamente el derecho humano y devino ... verkannte zutiefst das humane und göttliche Recht.

Die Krone machte sich die Auffassung von Las Casas teilweise zu eigen, aber die Vollstrecker vor Ort kümmerte das wenig.

Menschen im Müll

Samuel Eliot Morison wurde für sein Buch ADMIRAL OF THE OCEAN SEA, 1942, mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Es gipfelt in den Sätzen:

So wie die griechischen Stadtstaaten ihre unsterblichen Götter als ihre Gründer ansahen, so vereint sich heute ein Dutzend unabhängiger Nationen und Dominions, um CHRISTOPHER zu huldigen, den unerschrockenen Sohn Genuas, der die christliche Zivilisation über den Ozean trug.

Kurz nach der Einführung derselben kam es zu Szenen, die sich jenseits des Ozeans noch immer abspielen und uns durch Filmaufnahmen vertraut sind. Die erste Meldung erfolgte um 1510. Pietro Martire:

Einzelne Indios hat man auf Hispaniola an Müllhaufen und Gräben aufgefunden, als sie nach stinkenden Kadavern von Eseln und Hunden suchten, um etwas Essbares zu finden.

Die Tainos starben auf Haiti, bis es keine mehr gab. Sie waren zu zart besaitet für das Leben in einer christlichen Kolonie. Pietro Martire:

Diese einfachen Wilden waren früher kaum an Arbeit gewöhnt, jetzt gehen viele wegen der Anstrengungen beim Graben des Goldes zugrunde.

So dass die Kolonialherren alsbald gezwungen waren, robustere Ware aus Afrika zu importieren.

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Cristóbal Colón, LIBRO DE LA PRIMERA NAVEGACION, Madrid, 1984

LE HISTORIE DELLA VITA E DIE FATTI DI CHRISTOFORO COLOMBO, per D. Fernando Colombo suo figlio, Milano

HISTORIA DE LAS INDIAS de FRAY BARTOLOME DE LAS CASAS, Madrid, 1957.

Consuelo Varela e Isabel Aguirre, LA CAIDA DE CHRISTOBAL COLON, El juico de Bobadilla, Madrid 2006

ACHT DEKADEN ÜBER DIE NEUE WELT, Peter Martyr von Anghiera, Darmstadt, 1975

Diterich von Bry zitierte ausführlich den Bericht von Pietro Martire, so dass in deutschen Landen die Gebildeten damals relativ gut informiert waren. De Bry, AMERICAE, 1590:

Die Indianer können der Spanier Tyrannei nicht länger ertragen und erwürgen sich selbst. Da aber die armen Einwohner (Españolas) sahen, dass sie mit ewigen und leidvollen Arbeiten und Peinigungen unterdrückt und geplagt wurden, und solchen Jammers und Elends kein Ende wäre, oder keine Hoffnung mehr hatten, ihre alten Freiheiten wieder zu erlangen, wehklagten und schrieen sie früh und späht und alle Augenblicke und wünschten sich freiwillig den Tod. Daher waren viele unter ihnen, die verzweifelten an ihrer Hoffnung und liefen hinaus in die finsteren Wälder, erhenkten sich selbst, doch brachten sie zuvor mit ihren eigenen Händen ihre Kinder um und sagten, es wäre ihnen viel besser und heilsamer, dass sie einmal stürben, als dass sie allzeit ein solch armselig Leben führen und solchen schrecklichen und unbarmherzigen gräulichen Tyrannen immer und ewig sollten dienen ... Die schwangeren Weiber, wenn sie nahe der Geburt waren, aßen sie ein Kraut, das brachte die Frucht und das Kind im Mutterleib um, welches sie darum taten, damit sie den Spaniern keine Kinder gebärten. Es folgten auch viele Männer ihren Fußstapfen nach und erwürgten sich selbst mit dem Strang, Über das fand man in vielen Orten und Gassen viele tote Indianer, die sich von hohen Hügeln herab zu Tode gestürzt hatten. Etliche fielen in das Meer und andere fließende Gewässer und ersäuften sich. Etliche brachten sich durch freiwilligen Hunger um, nur damit sie aus der Welt kämen.
Indianer können der Spanier Tyrannei nicht länger ertragen und erwürgen sich selbst
Pietro Martire, Chronist, mit Kolumbus befreundet:

Die Menschen hatten kaum noch Kraft, ihren Lebensunterhalt in den Waldgebieten zu suchen ... Manche sind so verzweifelt, dass sie freiwillig aus dem Leben gehen. Andere zeugen keine Kinder mehr. Man sagt auch, manche nähmen Mittel, um die Frucht des Leibes abzutreiben, weil sie wissen, dass sie nur Sklaven der Christen werden ... Die Zahl der unglücklichen Einwohner Hispaniolas ist stark zurückgegangen. Viele berichten, es waren einst eine Million und zweihunderttausend. Ich schrecke zurück, den heutigen Stand anzugeben.
Bilder: De Bry, Americae 1590