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Das Ei des Kolumbus - eine Legende

Es ist leider nicht das einzige Wind-Ei in der Geschichtsschreibung der sogenannten Entdeckungen
das Ei des Kolumbus Christopher Columbus
Christoph Kolumbus
Problemlöser mit gekochtem Ei dito mit Gewehr und Kreuzfahne
Der Fall Kolumbus
Der Fall Kolumbus

Es geht nicht um ihn. Also etwa darum, was er für ein Mensch war. Das weiß sowieso niemand. Es geht schon gar nicht gegen ihn. Es geht um einen exemplarischen Fall von Verklärung, Legendenbildung und Schönschreibung in Tateinheit mit Unterschlagungen aller Art. Hier aufgerollt an Hand von weitgehend unbekannten Aussagen, Dokumenten und Selbstzeugnissen. Zuverlässlich belegt, da die Quellen nicht wie üblich kompiliert, sondern an Ort und Stelle zitiert werden. Hinzugezogen werden Quellen, die unterschlagen, vernachlässigt oder übersehen wurden. Dazu gehören einige von Kolumbus verfasste Briefe, die DECADAS seines Freundes Pietro Martire und Zeugenaussagen aus einem Prozess, den die Erben von Kolombus gegen die Krone anstrengten. Sie erlauben dem Leser, sich ein eigenes Urteil zu bilden.


Theodor de Bry, 1590
Die Anekdote nach Theodor de Bry, gekürzt:
Beim Essen. Kardinal Mendoza:

In unserem Königreich wären etliche gefunden worden, die das Gleiche vollbracht hätten.

Der Angesprochene verlangt ein gekochtes Ei und sagt dann:

Versucht das Ei auf den Tisch zu stellen!

Keiner schafft es. Kolumbus knallt das Ei auf den Tisch.

Alle:

Das hätten wir auch gekonnt.

Darauf er:

Nachdem ich es gezeigt habe.
Wikipedia:

Ursprünglich war die Anekdote von dem italienischen Künstler Giorgio Vasari (1511-1574) auf seinen Landsmann Filippo Brunelleschi (1377-1446) gemünzt worden. Dieser Baumeister soll durch die Lösung des "Ei-Problems" den Auftrag zum Bau der Kuppel des Doms Santa Maria del Fiore erhalten haben. Das würde die Anekdote jedenfalls passend machen, da die Domkuppel in Florenz augenscheinlich an die Form eines Eies erinnert, das an der Spitze aufgestoßen ist. Die Verbindung mit Kolumbus geht auf Girolamo Benzoni zurück, der die Anekdote in seiner Schrift über die Geschichte der Neuen Welt (Historia del mondo nuovo, Venedig 1565) in der Kolumbus-Version erzählt, dabei aber einräumt, dass er die Sache nur vom Hörensagen kannte.

De Bry hat die Schrift Benzonis als Quelle benutzt. Die Anekdote hat einen realen Hintergrund. Kolumbus starb am 20. Mai 1506 in Valladolid im festen Glauben, er habe Indien erreicht. Kein Chronist registrierte sein Ableben, kein Vertreter der Krone würdigte irgendwelche wissenschaftliche Verdienste. Im Gegenteil. Am spanischen Hof herrschte inzwischen die Auffassung, auf dem befohlenen Westkurs sei es unvermeidlich gewesen, auf den Kontinent zwischen Asien und Europa stoßen. Auch habe es 1492 längst auf der Tagesordnung gestanden, im Westen nach Land zu suchen. Folglich sei Kolumbus anderen nur knapp zuvorgekommen, und besonderer Fähigkeiten habe es nicht bedurft. Schließlich sei es nicht sein Auftrag gewesen, einen Seeweg nach Indien zu suchen, sondern im Atlantik:

Gewisse Inseln und Festländer zu entdecken und zu gewinnen.

Mit diesen schwer widerlegbaren Argumenten versuchte die Krone ein paar Jahre später die Zuwendungen und Ämter streitig zu machen, die den Kolumbus-Erben vertraglich zugesichert waren. Es ging um die inzwischen beträchtlichen Erträge aus den spanischen Kolonien. Bei einer langjährigen gerichtlichen Auseinandersetzung brachten die Erben vor, ohne die herausragenden seemännischen und kosmografischen Fähigkeiten von Kolumbus wäre der Kontinent nicht gefunden worden.

Stimmt auch nicht
Nachbau der sogenannten Santa Maria
Jedes Kind weiß: Das Schiff des Kolumbus hieß Santa Maria. Die Namensgebung wird seit dem 19. Jahrhundert gern genommen, verleiht sie doch der Unternehmung einen frommen Anstrich. Indessen erfolgte sie weder durch Kolumbus noch einen seiner Zeitgenossen.