Fernando Colon

Sohn von Christophoro Colombo, erster der lobrednerischen Biografen des GROSSEN ENTDECKERES.
Fernando Colon neben seiner Mutter Idylle, im 19. Jahrhundert gesehen
Kolumbus wird ab dem 19. Jahrhundert notorisch mit Globus abgebildet, als habe er die Kugelgestalt der Erde entdeckt. Das behaubtet indessen weder Vater noch Sohn. Sie hätten sich damit lächerlich gemacht. Strittig war lediglich die Größe des Erdballs.
Kolumbus mit Familie. Links Diego Colon, legitimer Sohn und Erbe, unter der Obhut der spanischen Krone aufgewachsen. In der Mitte neben seiner Mutter: Fernando Colon, der zweite, uneheliche Sohn. Diego wird Regent in der Kolonie, Fernando wird der Lobschreiber seines Vaters. Seine HISTORIE erscheint 1571 in Italien. Darin verkärt er unumwunden die Verdienste und Fähigkeiten seines Vaters. Trotzdem benutzen die meisten Biografen die HISTORIE wie eine seriöse Quelle, und zwar ohne sie zu nennen.
Buch von Fernando Colon In den ersten Jahrzehnten nach der Entdeckung im Jahr 1492 weisen die Autoren Kolumbus keine besonderen Fähigkeiten oder Kenntnisse zu. Erst 1571 lernte das Publikum einen anderen Kolumbus kennen, als Fernandos Buch in Italien erschien. Den großen, aber zeitlebens unverstandnen Kosmografen und Seefahrer.

LE HISTORIE… per D. Fernando Colombo suo figlio, Venedig 1571. Von Alfonso Ulloa aus dem Spanischen übersetzt.

Weil offensichtlich panegyrisch, also lobrednerisch, taugt das Werk eigentlich nicht als historische Quelle, wird aber von den Biografen als solche benutzt. Zur Großschreibung eignet es allerdings nur, wenn man nur die Tendenz übernimmt, und nicht daraus zitiert. Nur wenn man zitiert, kann sich der Leser ein eigenes Urteil bilden.

Der Sohn ergreift die Partei der Kolumbus-Erben in einem Rechtsstreit

Kolumbus starb am 20. Mai 1506 in Valladolid im festen Glauben, er habe Indien erreicht. Kein Chronist registrierte sein Ableben, kein Vertreter der Krone würdigte irgendwelche wissenschaftliche Verdienste. Im Gegenteil. Am spanischen Hof herrschte inzwischen die Auffassung, auf dem befohlenen Westkurs sei es unvermeidlich, auf den Kontinent zwischen Asien und Europa stoßen. Auch habe es 1492 längst auf der Tagesordnung gestanden, im Westen nach Land zu suchen. Folglich sei Kolumbus anderen nur knapp zuvorgekommen, und besonderer Fähigkeiten habe es nicht bedurft. Schließlich sei es nicht sein Auftrag gewesen, einen Seeweg nach Indien zu suchen, sondern im Atlantik:

Gewisse Inseln und Festländer zu entdecken und zu gewinnen.

Mit diesen schwer widerlegbaren Argumenten versuchte die Krone ein paar Jahre später die Zuwendungen und Ämter streitig zu machen, die den Kolumbus-Erben vertraglich zugesichert waren. Es ging um die inzwischen beträchtlichen Erträge aus den spanischen Kolonien. Bei einer langjährigen gerichtlichen Auseinandersetzung brachten die Erben vor, ohne die herausragenden seemännischen und kosmografischen Fähigkeiten von Kolumbus wäre der Kontinent nicht gefunden worden. Entsprechend plädiert Fernando Colon in seinem Buch. Das Bild, das er von seinem Vater entwarf, wurde zur Grundlage der nächsten Großschreibung im 19. Jahrhundert. Die Autoren der Entdeckungs-Literatur sahen sich in einem wissenschaftlichen Zeitalter angekommen und erhoben Kolumbus zu einem seiner Wegbereiter. Er selbt sah sich als ein bibeltreuer Gesandter Gottes.

Kolumbus brieflich im Jahr 1501:

Ich sage, dass mir für die Durchführung der Unternehmung keine Vernunft genützt hat, noch Mathematik, noch Weltkarten. Es hat sich nur erfüllt, was Isaías sagte.

Kolombus auf dem Sterbebett
Gemälde im Kolumbus-Museum von Valladolid