Die Gebeine des Kolumbus - Seligsprechung?
Kolumbus - seine Knochen Hauptseite
Ein Knochenfund in der Kathedrale von Santo Domingo im Jahr 1887

Christoph Kolumbus selig

Reliquienvermehrung

Kolumbus hat auf seinem Lebensweg nur dürftige Spuren hinterlassen, von seinem Gebein wissen wir nicht einmal, wie viele Reisen es unternommen hat. Stationen laut Biografenmehrheit: Beerdigt 1506 im Friedhof des Franziskanerklosters in Valladolid, keine Meldung über eine Totenfeier. 1514 Transfer nach Sevilla, Beerdigung im Kloster Las Cuevas nach einer Zeremonie in der Kathedrale. Möglicherweise ihrer gedenkend reimte Juan de Castellanos:

Prachtvoll war sein Begräbnis, es ehrten ihn tapfere Ritter
Nicht nur aus Kastilien kamen sie, sondern aus aller Herren Länder.

Das wird in keiner Quelle bestätigt. Es steht natürlich nicht fest, wessen Gebein im Kloster beerdigt wurde. Einige glauben nicht, dass die Franziskaner das echte herausgerückt haben. Um 1537 lässt die Familie den Grabinhalt nach Santo Domingo verschiffen. Verbleib ohne Aufhebens in der Kathedrale. 1795 übernimmt Frankreich die Herrschaft über Española. Ein Behälter mit Gebein wird nach Kuba verschifft, wie es identifiziert wurde, ist unklar. Verbleib in der Kathedrale von Havanna, solange die spanische Herrschaft währt.1899 tritt treten Knochen, die Kolumbus zugeordnet werden, die Reise nach Spanien an. Seitdem in der Kathedrale von Sevilla verehrt, quasi Reliquien, weil Kolumbus zum Nationalheiligen avanciert ist. Das Grabmal bezieht sich auf den Transport der Gebeine und suggeriert, dass man den ganzen Kolumbus nach Sevilla gebracht hat.
Kolumbus Grabmal Sevilla
Knochenfund

1887 fanden Arbeiter in der Kathedrale von Santo Domingo eine Bleikiste mit 13 großen Knochen 28 Knöchelchen. Draußen stand drauf: Berühmter Mann: Don Christobal Colón. Lokale Schlussfolgerung: Im Jahr 1795 wurde das falsche Gebein ausgegraben. Verehrung bis 1992 in der Kathedrale von Santo Domingo.

Kolumbus -  seine Gebeine Christoph Kolumbus Schrein
Reliquienschrein in der Kathedrale von Santo Domingo
1992 Transfer in den monumentalen Faro de Colón, Leuchtturm bei Santo Domingo, eingeweiht am 500. Jahrestag der Landsichtung. Wohl das spirituelle Licht symbolisierend, das laut Fernando die Dunkelheit erleuchtete. Kolumbus monumental
Kolumbus-Leuchtturm
DNA-Analyse

Dass Fernando Colón in der Kathedrale von Sevilla begraben wurde, gilt als sicher. 2003 haben Wissenschaftler aus beiden Gräbern DNA-Proben entnommen und analysiert. Der erste Vergleich mit der DNA von Fernando Colón verlief offenbar negativ, das Material erzeugte offenbar Kopfzerbrechen. Bis zum Frühjahr 2006 konnten sich die Wissenschaftler nicht zu einer Verlautbarung durchringen. Vielleicht wollten sie die Feiern zum 500. Todestag in Santo Domingo und Sevilla nicht verhageln. Staat und Kirche in Spanien äußerten Zeichen des Unmuts. Konnte es nicht wenigstens ein bisschen Kolumbus sein. Und siehe, Wikipedia konnte melden:

Der DNA-Vergleich bestätigte im Mai 2006, dass die Gebeine in Sevilla von Christoph Kolumbus sind. Da in Sevilla nur wenige Skelettreste vorhanden sind (150 g), lässt der Forscher Lorente jedoch die Möglichkeit offen, dass der größere Teil des Skelettes noch andernorts weilt, möglicherweise in Santo Domingo.

Eine so weite Reise wegen 150 Gramm des großen Entdeckers? Schwamm drüber. Überhaupt wird durch die Bemühung der Wissenschaft mit bewährten Traditionen gebrochen. Gelten doch für Reliquien zwei Regeln: Bei Vermehrung tritt keine Wertminderung ein, und die Echtheit wird durch den Glauben an die Echtheit herbeigeführt.

Im Himmel?

Indessen hat das Gebein, dieses oder jenes, den Durchbruch zu einer auch kirchlich anerkannten Reliquie nicht ganz geschafft. Der Prozess zur Seligsprechung begann 1866 und zog sich bis 1891 hin, weil es doch Bedenken gab. Verdienste um die Ausbreitung der Christentums sprachen dafür, wilde Ehe und Versklavung der Einheimischen dagegen. Die Fürsprecher einer Seligsprechung müssen nachweisen, dass ihr Kandidat ein Heilwunder vollbracht hat. Leider ist nicht überliefert, was ihnen dazu eingefallen ist. Das DIARIO lag seit 1826 gedruckt vor, darin hätten sie eins gefunden:

27. November ... Bis zum heutigen Tag habe ich nicht gesehen, dass eine meiner Männer Kopfweh hatte, oder wegen Krankheit im Bett blieb, außer einem Alten, der sein Leben lang an einem Nierenstein litt. Und auch dieser ist nach zwei Tagen gesund geworden.

Es wurde nichts aus der Seligsprechung. Welche Ablehnungsgründe den Ausschlag gaben, ist nicht bekannt. Andere, ebenfalls für Unsterblichkeit zuständig, waren nicht so zimperlich. Madariaga:

Die Lichtgestalt verschwand. Colón starb zum zweiten Mal. Doch er lebt für immer.

Tote schreiben nicht

In der ganzen westlichen Welt steht Kolumbus als Denkmal herum, in Bronze und Stein, von Lebensgröße bis in den Himmel ragend. Gern genommen: Er zeigt mit ausgestrecktem Arm, wo es langgeht, also nach Westen, als habe er diese Himmelsrichtung erfunden. So auch vor der Kathedrale von Santo Domingo. Darunter eine Taino, die sich bei ihrem Entdecker und Vizekönig bedankt, weil sie durch ihn lesen und schreiben gelernt habe.


Kolumbus ueber nackter Frau
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