Zur Geschichte des Sklavenhandels

Sklaverei in Amerika
Die Neger werden aus dem Mohrenland in die neue Insel zum Bergwerk geschickt. Theodor de Bry 1590. Die Tainos waren den Strapazen bei der Goldge-winnung nicht gewachsen. Daher gab es alsbald einen großen Bedarf an Sklaven aus Afrika.
Kolonisierung und Versklavung in Westafrika - Sklavenjagd als Kreuzzug

1418 gewährte Papst Martin V. mit der bulla Rex regnum der portugiesischen Krone das Recht zum Kreuzzug und zu Eroberungen in Afrika.

Portugiesische Christusritter auf Entdeckungsfahrt

Bis 1434 endete die Welt der Christenheit in West-Afrika am Kap Bojador. Der Chronist Gomes Eanes Zurara:

Die Seefahrer sagten, dahinter lebt keine menschliche Rasse ... Die Strömungen sind schrecklich, kein Schiff würde je zurückkehren ... Niemand würde dort hinsegeln, ohne sichere Aussicht auf Profit.

1434 umsegelte Gil Eannes das Kap Bojador zum ersten Mal im Auftrag des portugiesischen Ordens der Christusritter. Die See blieb ruhig, es gab Spuren einer menschlichen Rasse. Aber die christlichen Seefahrer waren ungünstig angezogen, die Objekte ihrer Begierde rannten schneller als sie. Resultat immerhin: Das Meer auch ist jenseits des Kaps Bojador befahrbar. Der Auftraggeber war es zufrieden.
Infant Dom Henrique o Navigator Papst Eugen IV. oberster Lehnsherr in Afrika
Heinrich der Seefahrer
Befiehlt Sklavenfang in Westafrika
Papst Eugen IV. Gewährt dafür Kreuzzugsprivilegien
Infant Dom Henrique o Navigador, Christusritter für Portugal

Heinrich der Seefahrer. Klingt gut. Forscher, Entdecker, ein Mann des Fortschritts. Bahnbrecher desselben. Sohn von König Johann von Portugal, mehrere Ämter. Das wichtigste: Er war Großmeister des Ordens der Christusritter und damit für die afrikanischen Angelegenheiten verantwortlich. Und das kam so: Der französische König enteignete 1312 mit Billigung des Papstes den Templerorden und löste ihn auf. Das lohnte sich, denn der Orden hatte sich zu einem finanzstarken multinationalem Großunternehmen entwickelt. Die portugiesische Krone übertrug das Eigentum der Templer dem neu gestifteten Orden der Christusritter. Die Herren sollten nicht im Gebet verharren, sondern die Heiden auf der iberischen Halbinsel und in Nordafrika bekämpfen.

Nackter Mann erste Beute

Anatam Goncalvez ist 1441 mit 21 Mann Besatzung jenseits de Kaps unterwegs, und zu neunt beim Landgang. Zunächst nur Fußspuren, aber dann, auf dem Rückweg zum Schiff, kommt es zu einer historischen Gefangennahme. Der Chronist Zurara:

Sie sahen einen nackten Mann, mit zwei Speeren, und als unsere Männer ihm folgten, spürten sie ihre Müdigkeit.

Der Mann wehrt sich, wird verwundet und schließlich gefangengenommen. Zurara lobt den Anführer der Portugiesen:

Wir haben den jungen Nobelmann für diese kühne Tat zu ehren, denn es war die erste Beute bei der Eroberung von Guinea.

Nachdem ein weiteres Schiff eingetroffen ist, begeben sich 20 Mann auf die Suche nach einer Ansiedlung.

Sie kamen zu einem Ort, an dem die Eingeborenen in zwei Lagern verstreut umherlagen ... Unsere Männer riefen mit hohen Stimmen "Portugal" und "Santiago", wodurch der Feind erschrak und in Unordnung floh ... Nur die Männer machten Anstalten, sich zu verteidigen ... 4 wurden getötet und zehn gefangengenommen, Männer, Frauen und Knaben.

Versklavung ist Bekehrung ist Befreiung

Die Gefangenen wurden nach Portugal gebracht. Zurara, Augenzeuge und ebenfalls zum Orden der Christusritter gehörig, notiert:

Ich erblickte die Ankunft der Schiffe, mit der Neuigkeit des Gewinns dieser Sklaven vor dem Angesicht Heinrichs mit Freude ...

Heinrich hatte viel Geld in den Bau der Schiffe, ihre Ausrüstung und für die Bezahlung der Mannschaften investiert. Nun zeichnen sich Gewinne ab. Zurara spricht von der allgemeinen Genugtuung über diesen Umstand und fügt hinzu:

Aber der Gewinn der Gefangenen war der größere. Obwohl ihre Körper in eine gewisse Unterwerfung gebracht wurden, war das wenig im Vergleich mit dem Gewinn für ihre Seelen, die nun im Besitz der ewigen Freiheit waren.

Bezahlt aus dem Schatz der Kirche

Indem Heinrich die Sklavenjagd zur heiligen Sache erklärt, kann er die Kirche an den Kosten beteiligen. Zurara:

Heinrich sah die Notwendigkeit, weitere Schiffe zu bemannen, um mit diesen Ungläubigen zu kämpfen ... So sandte er Boten zum Papst, um den Heiligen Vater um eine Beteiligung an dem Schatz der Heiligen Kirche zu bitten.

Der Schatz der Kirche war nicht aus Gold, dafür aber unermesslich. Er bestand aus den Verdiensten Jesu und den unverbrauchten guten Taten der Heiligen. Das Ablasswesen hatte Fortschritte gemacht, durch die Einführung eines Plageorts zu Reinigung der Seele, das sogenannte Fegefeuer. Der Sünder konnte den Aufenthalt durch Freikauf verkürzen, es gab Tarife für Tage, Wochen, Jahre. Das ganze war ein Handel. Vor Gott - so die Imagination - hinterlegte die Kirche Anteile aus dem Himmelschatz im Gegenwert des Straferlasses.

Sklavenjagd als Kreuzzug

Heinrichs Boten fanden Gehör. Papst Eugen erließt am 15. Januar 1443 eine weitere bulla Rex regnum, in der den Teilnehmern die Kreuzzugsprivilegien und Sündenvergebung garantiert werden. Richteten sich die bisherigen Kreuzzüge gegen die nordafrikanischen sararcenos, also Muslime, ging es nun gegen:

Saracenos et alios infideles...

Also gegen alle Ungläubigen. Jetzt sind alle dran, die die Christen ständig verhöhnen, alle Bewohner Afrikas haben nun das Recht auf ihr Land, ihr Eigentum und an ihren Körper verloren. Auf Schnörkel wie Rettung ihrer Seelen wurde verzichtet. Trotzdem stellt Zurara nach Besichtigung der Gefangenen fest:

Es schien eine bestialische, barbarische, verräterische Rasse zu sein ... diese Schwarzen waren keine Muslime, sondern Wilde, also noch geeigneter für den Pfad der Erlösung ...

Subjektiv mag Zurara das Motiv der Seelenrettung ernst genommen haben. Objektiv kommt ihm als Chronist des Ordens die Rolle zu, die Unternehmung zu rechtfertigen. 1443 werden in Lagos zum ersten Mal Menschen versteigert. Azurara notiert:

Die Häuser füllten sich mit männlichen und weiblichen Sklaven ... Die Bürger von Lagos waren die ersten, die den Infanten um eine Lizenz baten, um in die Sklavenländer zu gehen ... der Infant hatte das königliche Recht, den 5. Teil der Beute einzuziehen ...

Der Orden der Christusritter kam natürlich als direkter Betreiber des Sklavenhandels nicht in Frage. Daher wurde der geschäftliche Teil der Afrikaunternehmung der Companhia de Lagos übertragen. Heinrich gedachte die Fangrate zu erhöhen und schickte beim nächsten mal gleich sechs bewaffnete Karavellen los. Zurara:

Der Infant befahl, dass die Schiffe seine Fahne zu führen hätten, mit dem Kreuz des Christusordens.

Seelenrettung ohne Erbarmen

Auf der Insel Naar vor der afrikanischen Küste überfallen die Portugiesen die erste größere Siedlung. Zurara:

Sie riefen "St. George" und "Portugal" und griffen sofort an. Sie töteten und fingen soviel sie konnten. Man sah, wie Mütter auf der Flucht ihre Kinder verließen und Männer ihre Frauen. Viele ertränkten sich. Andere versteckten ihre Kinder unter Seegras, wo unsere Leute sie später fanden ... Wir fingen 165 Männer, Frauen und Kinder, neben denen die ertranken und getötet wurden ...

Die Fracht wurde 1444 in Lagos gelöscht. 235 Gefangene. Zurara:

Welch herrlicher Anblick, wie sie auf dem Platz aufgestellt wurden. Einige waren recht weiß, gut gebaut und ansehnlich. Andere waren wie Mulatten, andere schwarz wie Äthiopier und hässlich ... Einige senkten den Kopf und weinten, einige schauten zum Himmel auf und klagten ihren Schmerz ... Es war nötig, Väter von ihren Söhnen zu trennen, Männer von Frauen, Brüder von Brüdern. Die Mütter drückten ihre Kinder an sich und legten sich flach auf den Boden. Man schlug sie, aber das kümmerte sie nicht ...

46 Sklaven fielen an Heinrich. Über die anderen teilt Zurara mit:

Nach der Verteilung nahm jeder seinen Anteil mit, andere verkauften ihre Gefangenen.

Der von Zurara beobachte Menschenschacher markiert den Beginn des überseeischen Sklavenhandels und der partiellen Entvölkerung engtlang der Küsten Westafrikas. Zurara sieht er die Rechtslage ohne jede Sentimentalität.

Ich sah sie in ihren Ketten, ein jammervoller Anblick ... ihre Schreie hätten mein Mitleid erregt, aber es waren Schreie von jenen, die außerhalb unseres Gesetzes standen.

Das hohe Lied des Kolonialismus

Die Rechtfertigungskünste des Chronisten sind wegweisend. Zurara:

Er (Heinrich) gedachte mit großer Freude der Errettung dieser Seelen, die vorher verloren waren ... Sie kamen bereitwillig zum christlichen Gesetz und wurden den einheimischen Knechten gleichgestellt ... Sie trugen nie Ketten und wurden gut behandelt ... Vorher waren ihre Seelen und Körper verdammt. Ihre Seelen, weil sie Heiden waren ... ihre Körper, weil sie wie Tiere lebten, ohne Brot und Wein, ohne Kleider, ohne Häuser ...

Zurara erfindet die Beschönigungsparole des Kolonialismus: Die Verbreitung des Glaubens rettet die Seelen, die Verbreitung der Zivilisation rettet die Körper. Getauft wurden nur diejenigen, die in Haushalten dienen mussten, weil Heiden da nichts zu suchen hatten. Schön hatten sie es dort auch nicht alle:

Manche Gefangenen waren so geartet, dass sie es nicht aushielten und starben. Aber sie starben als Christen.

Klingt, als hätten sie dafür dankbar sein müssen.

Neuer Markt erforderlich

Das Abendland war wegen der vorherrschenden Leibeigenschaft als Absatzmarkt für Sklaven nicht sonderlich geeignet. Die einheimischen Knechte waren zu billig. Das Geschäft kam erst Richtig in Schwung, als in den spanischen Kolonien die indigenen Arbeitskräfte durch Verschleiß knapp wurden. Kolumbus hatte rechtzeitig Amerika entdeckt. Vorher war er nach eigenen Angaben mehrfach entlang der afrikanischen Küste unterwegs, also mit der Praxis des Menschfangs vertraut. Auch mit den Rechtfertigungen. Verbreitung des Christentums und so weiter.

Um um 1470: West-Expansion zwangsläufig

Im Nahen Osten waren die Kreuzzüge kläglich gescheitert, dem Osmanischen Reich war militärisch nicht beizukommen. Indessen segelten die Portugiesen problemlos auf dem Atlantik bis zu den Azoren. Auf allen Karten waren im Atlantik große Inseln und Inselgruppen eingezeichnet. In Portugal und England gab es Planungen für Westexpeditionen. In Spanien auch, aber die Krone führte einen kostspieligen Krieg gegen das muslimische Granada. Nach dessen Fall war genug Geld da. Wie weiter? Der Papst hatte Afrika als Lehen an Portugal vergeben. Blieben nur gewisse Inseln und Festländer im Westen. Da war doch dieser Kolumbus, der seit Jahren vorsprach und behauptete, entsprechende Pläne der Portugiesen zu kennen. Also investieren. Das Geschwader unter Kolumbus segelte Anfang 1492 August ab. Sein Auftrag: gewisse Inseln und Festländer zu entdecken und zu erobern. Nicht das Zeitalter der Welterforschung war angebrochen, sondern das der Welteroberung. Scharf kalkulierende Kaufleute beteiligten sich an der Finanzierung, erfahrene Schiffseigner und Piloten ermöglichten die Unternehmung. Kein Abenteuer aus Wissbegierde, sondern ein Joint Venture. Alle Bedingungen waren gegeben. Ohne Kolumbus hätten die Menschen auf der anderen Seite des Atlantiks allenfalls ein paar Jahre länger nach ihren Gesetzen leben können.
History of Colonisation - Slave hunting in Afrika started as as crusade - Portugiesen auf Sklavenjagd in Westafrika