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Schiff Santa Maria
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Die sogenannte Santa Maria des Kolumbus hieß tatsächlich la Gallega - Frau aus Galizien. Kolumbus wollte auch nicht, dass das Schiff Santa Maria genannt würde.
Kolumbus, erste Reise: Namen der Schiffe

79 Jahre lang erwähnt niemand eine Santa Maria

Christopher Kolumbus hat einen Bericht über die erste Reise geschrieben (DIARIO). Bartolomé de Las Casas und Fernando Colon (Sohn von K.) verfügten über Kopien. (Original and Kopien sind verloren gegangen). Beide kompilierten den Text und zitierten einige Passagen wörtlich. In beiden Versionen des DIARIO gibt es keine Santa Maria. Die Schiffe heißen Pinta, Niña und nao (nave)… Nao = Schiffstyp (Frachtschiff) des Kapitänsschiffs. DIARIO, Kolumbus Weihnachten 1492: Las aguas llevaron la nao sobre uno des aquellos bancos. Historiker, bekannt mit Kolumbus: (1) Pietro Martyr - PRIME DECADIS: … grandiois navis incidens aperitur & perstat. (2) Andrès Bernaldes - HISTORIA: … perdieron el navio mayor. In den bekannten Reiseberichten wird das Schiff 43 Jahre lang nicht beim Namen genannt. 1535 gab der Historiker Gonzales F. Oviedo seine HISTORA in Druck. Er schreibt: La una y mayor dellas llamada la gallega. Der Name des größeren von ihnen war la gallega. 79 Jahre lang wird das Schiff nur nao, navis, navio, la gallega genannt.

Erste Erscheinung

Um 1535 benutzte Fernando Colon das DIARIO, um ein Buch über seinen Vater zu schreiben. Das Manuskript wurde nicht in Spanien gedruckt. Seine Erben verkauften es an einen italienischen Verleger
(gibt es auch nicht mehr). Fernandos HISTORIE erschien 1571, übersetzt von Alfonso Ulloa. Der Bericht über die Reise ist, wie gesagt, eine Kompilation des DIARIO. Wir lesen durchweg nave an Stelle von nao in Fernandos Quelle. In einem Vorwort zu Kompilation heißt es: La capitana, nella qualle il monte, si chiamo Santa Maria.

Wie zuverlässig?

Der Name Santa Maria kommt nur in diesem Satz vor. Im folgenden Reisebericht heißt das Hauptschiff wie gesagt durchweg nave für nao im DIARIO. Das entspricht auch einer weiteren Quellen Fernandos mit eidlichen Aussagen von Augenzeugen. Die Erben von Kolumbus führten von 1512 bis 1540 Prozesse gegen die Krone. (PLAITOS DE COLON) Fernando kannte die Akten mit Aussagen von Mitreisenden. Namen der Schiffe, die sie zu Protokoll gaben: Nina, Pinta, nao. Fernando besaß auch ein Exemplar von Oviedos HISTORIA. (Er zitiert daraus). Er wusste also von Oviedos Festlegung auf la gallega . Die HISTORIA galt in Spanien als Standartwerk - also dort, wo Fernando sein Buch erscheinen lassen wollte. (Die Krone hat es wahrscheinlich nicht genehmigt, weil es Partei für die Erben ergreift). Fernandos Reputation stand auf dem Spiel. Es konnte ihm nur schaden, Oviedo (und alle anderen) ohne Angabe einer Quelle zu korrigieren. Damit kommt der Übersetzer Ulloa als Entdecker der Santa Maria ins Spiel, der nichts riskierte. Dafür gibt auch einen Beleg. Las Casas benutzte Fernandos spanisches Manuskript für seine HISTORIA. So auch die Passage, in der die Schiffe vorgestellt werden. Er gibt sie so wieder:

En la tercera, que era la nao, algo mayor que todas, quiso ir el, y así aquélla era la capitana
.

Die Passage in Fernandos HISTORIE:

La capitana, nella qualle il monte, si chiamo Santa Maria.

Las Casas: Auf dem Frachter … wollte er gehen, daher war es das Kapitänsschiff.
Ulloa: Das Kapitänsschiff, auf dem er ging, wurde Santa Maria genannt.

Warum Santa Maria?

Ulloa hatte nur eine Quelle: Das Manuskript von Fernando. Darin fand er den Namen für die nächste Capitana von Kolumbus: Mariagalante. Oder er wusste, dass Santa Maria ein gebräuchlicher Name für spanische Schiffe war. Namen für spanische Schiffe in englischen Schiffslisten nach 1480: Sancta Maria of San Sebastian, Sancta Maria of Bilbao, Sancta Maria of Fuentarabia.

Oviedo zuverlässig

Alle in Frage kommenden Dokumente wurden seit 1516 im CONSEJO DE INDIAS aufbewahrt. (heute ARCHIVO GENERAL DE INDIAS in Sevilla). Das große Frachtschiff wurde von der Krone gechartert. In Kontrakt stand der Name als Frachtschiff. Er wurde nicht gefunden. Also ist er verloren gegangen, wie so viele andere Dokumente. Der gelernte Historiker Oviedo hatte natürlich Zugang zu den Archiven. Dort kann er also um 1530 noch einen Beleg für la gallega gefunden haben. Er benutzt den Namen durchgehend in seinem Bericht über die Reise. Destras tres caravelas era capitana la gallega, de que iba la persona de colom, delas otras dos, la una se llamba la pinta, de que iba por capitan martin alonso pinçón; y la otra se dezia la niña, e iba por capitán della francisco vicente yáñez. Oviedo war offensichtlich davon überzeugt, dass seine Quelle zuverlässig war. (Das DIARIO kannte er nicht, das hatten Fernando und Las Casas nicht zugänglich gemacht). Daher ist nun auch für uns Oviedo die zuverlässigste Quelle, in der das Schiff bei einem Namen genannt wird. So gilt, den bekannten Quellen zufolge: Der Name des Frachtschiffes, das für die erste Reise gechartert wurde, war la gallega.

Zweite Erscheinung

La gallega wurde rund 300 Jahre lang allgemein akzeptiert. Zum Beispiel: De Bry, AMERICAE 1590: … welches Gallega geheissen.
Dann erschien 1828 Washington Irving's HISTORY: One of the three, called Santa Maria … Mr. Irving hinterfragte seine Quelle nicht. Es war natürlich die italienische Fassung von Fernandos HISTORIE. Santa Maria passte sehr gut zu Mr. Irvings Vorstellung, dass Kolumbus in einer höheren Mission unterwegs war. Der heilige Name blieb sakrosankt für Generationen von Biographen und Übersetzern von Las Casas' Version des DIARIO. Sie setzen ihn ein, sie benutzen ihn ohne irgend einen Hinweis darauf, wie der Name ins Spiel kam.

Nao offizieller Name für die Expedition

Kolumbus war der Kommandeur, also war es seine Entscheidung, unter welchem Namen das Schiff zu unbekannten Ländern segeln sollte. Das DIARIO belegt, dass er den Namen des Frachtschiffes nicht übernehmen wollte. Im DIARIO wird ein Bericht an die Krone wörtlich zitiert, auch darin heißt das Schiff nao. Damit war der Name quasi amtlich. Und: Wenn das Schiff Santa Maria genannt wird, entspricht das nicht dem Willen von Kolumbus.


Cristóbal Colón, LIBRO DE LA PRIMERA NAVEGACION, Manuel Alavar, 1984.

Gonzales Fernández de Oviedo, HISTORIA GENERAL Y NATURAL DE LAS INDIAS, Edición de Juan Perez de Tudela Bueso, Madrid, 1959.

HISTORIA DE LAS INDIAS de FRAY BARTOLOME DE LAS CASAS, Juan Perez de Tudela, Madrid, 1957.

LE HISTORIE DELLA VITA E DIE FATTI DI CHRISTOFORO COLOMBO, per D. Fernando Colombo suo figlio, a cura di Rinaldo Caddeo, Milano.

De Bry, AMERICAE, 1494, (Diterich von Bry). Reprint by Verlag Konrad Köbel, München.

SELECT DOCUMENTS ILLUSTRATING THE FOUR VOYAGES OF COLUMBUS, translated and edited by Cecil Jane, London 1930.
(Andrés Bernáldez).

DE LOS PLEITOS DE COLÓN, Cesáreo Fernández Duro, Madrid, 1892.

Peter Martyr von Anghiera, ACHT DECADEN ÜBER DIE NEUE WELT, Hans Klingelhöfer, Übers., Darmstadt 1972.



Das Schiff hieß nicht Santa Maria

Ein Bericht über die erste Reise in der Handschrift von Kolumbus liegt nicht vor. Als wichtigste Quelle gilt das sogenannte DIARIO, zusammengestellt von
Bartolomé de las Casas, einem Freund der Familie, Bischof von Chiapas und späterer Anwalt der Indianer (1474-1566). Er verfügte über einen Kopie eines Berichtes, den Kolumbus für die spanische Krone verfasst hatte. Den größten Teil des Textes fasste Las Casas zusammen. Einige Passagen schreibt Las Casas wörtlich ab, so die Eintragungen vom 11. bis zum 25. Oktober. Die Passage beginnt so: Das sind die Worte des Admirals: " Ich habe eine große Freundschaft vorgefunden ...

Von wegen Santa Maria

Zum ersten Mal ist am 19. September von Hauptschiff die Rede, weit draußen im Atlantik. Im INSEL TASCHENBUCH Nr. 553. (BORDBUCH) heißt es:

Gegen zehn Uhr morgens ließ sich ein Pelikan an Bord der >Santa Maria< nieder.

Im DIARIO steht aber nur:

Vino a la nao vn alcatraz ...

Das Hauptschiff heißt im DIARIO sowohl in den kompilierten Passagen als auch in den wörtlich zitierten immer nur nao, Schiff. Auch bei der letzen Gelegenheit, seinen Namen nennen, im Eintrag zum 25. Dezember. Alle schlafen an Bord, einsam wacht ein Schiffsjunge am Ruder. Da hebt die Strömung das Schiff auf eine Untiefe.

les aguas que corrian llevaron la nao sobre vno aquellos bancos

In diesem und in allen anderen Texten, die Kolumbus zugeschrieben werden, wird das Hauptschiff nicht beim Namen genannt, sondern einfach nao. Chronist Martire: Fehlanzeige, kein Name. Chronist Oviedo notiert, als er die Schiffe zum ersten Mal erwähnt:

Das eine und größere von ihnen wurde Gallega genannt.

Und bei der folgenden Aufzählung heißen die Schiffe Gallega, Pinta, Niña. Bis zum bitteren Ende:

Das Kapitänsschiff namens Gallega lief auf Grund.

Keine Santa Maria bei Bernáldez, der zum gleichen Anlass schreibt:

... perdieron el navio mayor ... verloren das Hauptschiff.

Überliefert sind auch PROTOKOLLE von Zeugenaussagen über die Expedition. Die Fahrteilnehmer nenen die Schiffe Niña , Pinta, nao. In den Handschriften oder Drucken wird bis 1571 das große Schiff nicht ein einziges Mal Santa Maria genannt. In diesem Jahr erscheint in Italien Fernando Colóns HISTORIE. Darin heißt es am Anfang der Reisebeschreibung:

Das Hauptschiff, auf das er stieg, hieß Santa Maria.

Santa Maria
steht nur an dieser einen Stelle. Im weiteren Text wird das Hauptschiff durchweg nave genannt, also Schiff. Las Casas hat aus dem Original-Manuskript diese Passage in seine HISTORIA übernommen:

... auf dem dritten, welches das etwas größere von allen war, wollte er fahren, und so war es das Kapitänschiff.

Einzige Erklärung: Der Übersetzer Alfonso Ulloa hat den Namen am Anfang eingefügt. Wie kam er darauf? Es gibt nur einen Hinweis. Im Kapitel 45 (zweite Reise) seiner Vorlage las er:

Der Admiral segelte zu einer anderen Insel, die er Mariagalante nannte, nach seinem Kapitänsschiff.

Das Schiff wurde also ziemlich spät getauft, mit einem einzigen Satz. Das hat genügt. Der süßeste Name der Christenheit war hochwillkommen, um das profane Erscheinungsbild der Unternehmung aufzupolieren. Sie sind untrennbar und werden es vermutlich bleiben, Kolumbus und seine Santa Maria, auch in zukünftigen Nachschlagewerken, Schulbüchern und Biografien. Keiner der zitierten Autoren macht auf das Problem aufmerksam, alle lassen Kolumbus unverdrossen auf einer Santa Maria über den Ozean schiffen. Korrekte Eintragung: Laut Oviedo, Historiker etc., wurde das Hauptschiff Gallega genannt, in keiner zeitnahen Quelle heißt es Santa Maria.

Doppelte Buchführung

Die geografische Breite wurde astronomisch an Hand des Polarsterns oder der Mittagshöhe Sonne ermittelt. Deutet man mit einem Arm auf den Horizont, mit dem anderen auf das Gestirn, bilden beide einen Winkel. Diesen Winkel kann man messen, und schon hat man die geografische Breite in Grad. Die Piloten benutzen zur Anpeilung und Winkelmessung Quadranten. Später Näheres dazu. Um die Längen zu bestimmen, braucht man sehr genau gehende Uhren, um die Ortszeit des Ausgangspunkts quasi mitzunehmen. Solche Uhren gab es noch nicht. Die Wegpunkte mussten daher gekoppelt werden. Man schätzte die Geschwindigkeit (Bugwelle, Vorbeiziehen der Schaumkronen, Windstärke, Segelstand), errechnete daraus die zurückgelegte Strecke und trug sie in Kursrichtung auf einer Karte ein. Im einfachsten Fall, bei konstantem Kurs, ergibt sich eine Grade.

Sonntag, 9. September. Er ging an diesem Tag 15 leguas und entschloss sich, weniger zu zählen als er ging, damit wenn der Weg lang werde, die Leute sich nicht fürchten und verzweifeln. In der Nacht ging er hundert und zwanzig römische Meilen zu zehn römischen Meilen die Stunde, das sind 30 leguas.

Natürlich wurde auf jedem Schiff gekoppelt. Jeder Kapitän musste ja damit rechnen, vom Verband getrennt zu werden. Die Zwischenwerte wurden auf allen Schiffen bei jedem Wachwechsel festgehalten und von den Piloten eingetragen. Schon die Idee, allein nebenher vor sich hinzukoppeln, ist schlafraubend.

Montag, 10. September. Tag und Nacht ging er sechzig leguas zu zehn römischen Meilen pro Stunde, das sind zwei und ein halb leguas. Aber er zählte nur vierzig und acht leguas, um den Leuten keine Angst zu machen, wenn der Weg zu lang würde.

Und so geht es täglich weiter, Meilen in echt, Meilen für die Leute. Nur um sie zu beruhigen? Salvador de Madariaga:

Der wirkliche Grund für die doppelte Berechnung der Entfernung in Seemeilen war sein Wunsch, den Schlüssel zum Geheimnis seiner Entdeckung ausschließlich für sich behalten. Er wollte über diese hochwichtigen Zahlenangaben von vorneherein Zweifel und Verwirrung sähen. Damit sicherte er sich dann seine Stellung als unentbehrlicher Führer zum unbekannten Cipango und als dessen grimmiger Wächter.

Geheimhaltung? Der Admiral notiert doch beide Werte und den richtigen Kurs. Irritiert hat die doppelte Buchführung vor allem die Biografen. Gianni Granzotto:

Es war eine kleine Mogelei, die keinen besondern Sinn hatte, sondern höchstens für Kolumbus.

John Boyd Thacher in seinem Mammutwerk CHRISTOPHER COLUMBUS, New York, 1902:

Zu dieser Zeit gab sich Columbus nicht als Wissenschaftler, der der Welt genaues Wissen gab.

Zvi Dor-Ner in KOLUMBUS, vgs, 1991:

Die Gissung war Kolumbus' Stärke. Sie brachte ihn über den Atlantik und wieder zurück ...Uns ist etwas unklar, wie er seine privaten Aufzeichnungen vor den anderen Schiffsführern geheim halten konnte und inwieweit er seine Offiziere ins Vertrauen zog.

Betrug ohne Logik

In der Eintragung zum 19. September steht klipp, warum der Versuch völlig untauglich war.

Hier ermittelten die Piloten ihre Punkte (Wegpunkte). Der von der Niña fand sich 440 leguas von den Canarias, der von der Pinta 420, der mit dem der Admiral ging, genau 400.

Addition der ehrlichen leguas des Admirals: 403. Kommt dem Admiral nun der Gedanke, vergebliche Liebesmüh, man kann die Leute nicht hintergehen? Offenbar nicht, es geht weiter mit der doppelten Buchführung. Unerklärlich? John Dyson in COLUMBUS, 1991:

Die falschen trug er in das offizielle Logbuch ein, die richtigen hingegen bewahrte er in seiner Hosentasche auf, um sich ihrer bei einem drohenden Überfall der Portugiesen leicht endledigen zu können. Nachdem die Reise erfolgreich abgeschlossen war, konnte er die wahren Zahlen neben den falschen in den Bericht eintragen und dies damit erklären, die letzteren hätten dazu gedient, die Befürchtungen seiner Untergeben zu zerstreuen.

S. E. Morison in ADMIRAL OF THE OCEAN SEA:

Die Strategie war angemessen und ethisch, wenn man betrachtet, mit welcher Sorte Leute er es zu tun hatte.

Er meint, Mariners seien nun Mal extrem abergläubisch. Und weiter:

Der amüsante Punkt ist, dass Columbus Geschwindigkeit und Entfernung in seinem Kopf beinahe um den selben Betrag überschätzte, als er ihn für die unwissenden Leute unterschätzte. Seine „gefälschte" Berechnung kam der wahren näher als seine „wahre."

S. E. Morison hat auf der Route der Armada 1939-1940 den Atlantik überquert. Er bewundert die Unternehmung, bei den Details bleibt er Fachmann. Sein Kommentar zum nächsten Datenabgleich der Piloten am 1. Oktober:

Hier wurde falsch gerechnet, wenn Las Casas nicht einige Zahlen weggelassen hat ... Die eigenen Zahlen von Columbus addieren sich zu 633 leagues von Ferro ... Nach Leutnants McElroy's Berechnung waren sie 575 leagues von Ferro gesegelt, und der Pilot hatte recht.

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